GIACOMO LEOPARDI – DIE RUHE NACH DEM GEWITTER (Gesänge XXIV) DE

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Giacomo Leopardi

 

Die ruhe nach dem gewitter

(Gesänge XXIV)

 

 

 

Das Wetter ist vergangen.

Die muntern Vögel fangen an zu singen,

Die Henne wagt mit Gackern

Sich auf die Straße wieder. Sieh, wie plötzlich

Im West am Berg der Himmel sich erhellt. 

 

 

Nun lichtet sich das Feld,

Und aus dem Thale glänzt der Fluß herauf.

Ein jedes Herz wird froh; allüberall

Beginnt die Arbeit wieder

Und regt sich rüst’ger Schall.

Der Handwerksmann, sein Werkzeug in der Hand,

Tritt singend, nach dem feuchten Blau zu spähen,

Vor seines Hauses Schwelle;

Das Weiblein kommt heraus, in ihr Gefäß

Die Regenflut zu fassen.

Lautrufend durch die Gassen

Zieht mit Gemüsen wieder

Der Händler auf und nieder.

 

O sieh, da kommt die Sonne; wie verklärt

Sie Höh’n und Villen. Die Bewohner öffnen

Terrassen und Balcone. Horch, wie dort

Vom Fahrweg Schellenläuten aus der Ferne

Herübertönt. Des Reisenden Gefährt

Knarrt durch den Sand und setzt die Reise fort.

Aufathmet jede Brust.

Wann ist das Leben so

Wie jetzt uns süß und froh?

Wann mag mit solcher Lust

Man auf sein Tagwerk sinnen,

Das alte fördern, neues Thun beginnen?

Wann sind wir minder unsrer Noth gedenk?

O Lust, du Kind des Schmerzes!

O eitle Freude, Frucht nur

Vergangner Angst, die unser Herz durchbebt,

Daß vor dem Tod wir bangen,

Wie bitter auch das Leben,

 

Daß stumm die armen Thoren,

Mit todesbleichen Wangen

Voll Angstschweiß, in des Himmels

Gewitterstürme blicken,

Die wider sie verschworen!

 

O gütige Natur,

Das sind die hohen Freuden,

Die Gaben, die du liebreich

Den Menschen gönnst!

Ihm soll es Wonne sein,

Wenn von ihm weicht das Leiden.

Freigebig theilst du Qualen aus. Der Schmerz

Entspringt von selber, und die karge Lust,

Die als ein mächtig Wunder hin und wieder

Dem Weh entblüht, ist schon ein Glück gewesen.

So lieb sind wir den Ew’gen! Glücks genug

Ein freier Athemzug

Nach langem Schmerz, und selig,

Wenn wir im Tod von allem Schmerz genesen.

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Giacomo Leopardi – Die Ruhe nach dem Gewitter (Gesänge XXIV)

 

 

 

 

Giacomo Leopardi

 

Giacomo Leopardi (* 29. Juni 1798 in Recanati; † 14. Juni 1837 in Neapel) war ein italienischer Dichter, Essayist und Philologe, dem neben Alessandro Manzoni eine entscheidende Rolle bei der Erneuerung der italienischen Literatursprache im 19. Jahrhundert zukam (Wikipedia).

 

 

Werk

 

deutsche Übersetzungen

 

Gedanken, Pensieri. Aus dem Italienischen übertragen von Richard Peters, Marion von Schröder Verlag, Hamburg 1951

Gesänge. Dialoge und andere Lehrstücke. Zibaldone. Aus dem Ital. von Hanno Helbling und Alice Vollenweider. Auswahl der Texte aus dem  Zibaldone von Karlheinz Stierle. Winkler, München 1978, Neuaufl. in einem Band 1998. ISBN 3-538-05400-2

Canti e Frammenti. Gesänge und Fragmente. Ital./dt., übers. von Helmut Endrulat, hrsg. von Helmut Endrulat und Gero Alfred Schwalb. Reclam, Stuttgart 1990 (UB 8654). ISBN 3-15-008654-X

Canti. Gesänge. Ital./Dt., nachgedichtet von Michael Engelhard. Berlin 1990. Nachdruck Aufbau-Verlag, Berlin 1999. ISBN 3-7466-6039-4

Der Froschmäusekrieg und seine Folgen. Ital./dt., übers. von Helmut Endrulat, illustriert von Joachim John, hrsg. von Helmut Endrulat und Gero Alfred Schwalb. Akademie-Verlag, Berlin 1992. ISBN 3-05-002070-9

Das Gedankenbuch. Auswahl, übers. und Nachwort von Hanno Helbling. Winkler, München 1985. Nachdruck dtv, München 1992 (dtv). ISBN 3-423-02306-6

Rede eines Italieners über die romantische Poesie. Discorso di un italiano intorno alla poesia romantica. Ital./dt., übers. von Franca Janowski. Narr, Tübingen 1991 (Italienische Bibliothek). ISBN 3-8233-4052-2.

In einem Käfig buntbemalt – Jugendwerke von Giacomo Leopardi Ital./dt., übers. von Helmut Endrulat, illustriert von Joachim John, hrsg. von Gero Alfred Schwalb und Hans-Peter Klaus. edition schapeti, Langenhagen 1997.

Das Massaker der Illusionen (Auswahl aus dem Zibaldone). Ausgewählt und kommentiert von Mario Andrea Rigoni, übers. von Sigrid Vagt. Eichborn Verlag, Frankfurt a. M. 2002 (Die Andere Bibliothek Nr. 207).

Opuscula moralia oder Vom Lernen, über unsere Leiden zu lachen (Operette morali). Ausgesucht und übersetzt von Burkhart Kroeber, auf Basis der Erstübersetzung von Paul Heyse. Aufbau Verlag, Berlin 2017 (Die Andere Bibliothek Nr. 389), ISBN 978-3-8477-0319-1.

(Wikipedia)

 

 

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